Brünnighausen (ist). Seit über 400 Jahren gehört der Neujahrsstuten in Schule, Rathaus oder Dorfgemeinschaftshaus für etliche Familien-, beziehungsweise Kindergenerationen in Brünnighausen und Coppenbrügge traditionell zum zweiten Frühstück am Silvestermorgen ebenso zum letzten Tag des Jahres wie das private Feuerwerk in der Nacht seit vergleichsweise sparsamen 100 Jahren für die Welt.
Neujahrsstuten am Silvestertag sind mehr als nur Genuss für Kindergenerationen seit über 400 Jahren. So waren Lavinia (7), Vater Sascha (42) und Großvater Manfred (60) Kaminski auch gemeinsam zum Schmaus ins Brünnighäuser Dorfgemeinschaftshaus gekommen; obwohl altersbedingt nur noch Lavinia „bezugsberechtigt“ ist für das im Auftrag der Gemeinde in diesem Jahr von der Coppenbrügger Landbäckerei gebackene und kostenlos für die Kinder verteilte süße Hefegebäck. Das gibt es für alle Kinder ab Geburt bis 14 Jahre, was heißt, dass Vater und Großvater das Höchstalter mehr oder weniger lange längst hinter sich gebracht haben; die Erinnerung an den Genuss aus eigenen Kindertagen, der heute wie vor Hunderten von Jahren nach gleichem Rezept in den und aus dem Ofen komme, lasse gleichwohl nicht locker und jedes Jahr aufs Neue das Wasser im Munde zusammenlaufen, schmunzeln Manfred und Sascha Kaminski.
Es sei daher für Vater und Großvater allemal lohnenswert, sich an diesem Morgen gutzustellen mit Lavinia, um einen kleineren oder größeren Krumen der Köstlichkeit zu bekommen und Erinnerungen zu wecken: dass es durchaus Silvestertage gab, als eigentlich Winter war und man als Junge mit dem Schlitten und dicken Mützen durchs Dorf Richtung Stutenausgabe zog oder später die Kinder im Kinderwagen brachte, weil die ja noch gar nicht laufen, geschweige denn Gebäck essen konnten – den Eltern aber umso mehr Köstlichkeit für den eigenen Gaumen blieb… Die Verfügung der Gräfin Ursula von Spiegelburg zur alljährlichen Verteilung der Neujahrsstuten für die Kinder ist einst aus der Hungersnot und dem Erfrierungstod von Brünnighäuser Kindern im Jahr 1559 geboren – im Verlauf von 450 Jahren ist sie, unterbrochen nur während der Kriegs- und Nachkriegsjahre der Weltkriege, zu einem Genussgutschein mit außergewöhnlicher Nachhaltigkeit geworden, der die Familien am Silvestermorgen an der duftenden Gebäckauslage zusammenführt und das Dorf in Gesprächen und Erinnerungen, ohne die Zukunft nicht funktionieren kann, leben lässt.