Brünnighausen (ist). „Früher gab’s dann immer ein neues Kleid“, erinnert sich Isolde Schäfer; und es klingt ein bisschen wie „früher war mehr Lametta“. Drei Vereine hatten drei Tage lang ihr insgesamt fast 300-jähriges Bestehen gefeiert – 75 Jahre Musikzug, 85 Jahre Freiwillige Feuerwehr, 130 Jahre Männergesangverein. Und die Tradition wurde, wie über Generationen guter Brauch, traditionell und bei bester Stimmung mit dem ganzen Dorf zelebriert.
„Ein rundum gelungenes Jubiläumsfest auch für unsere Neubürger“, sagte Gerald Mehrtens vom Festkomittee. Ein Fest mit ganz viel Zeit für Gedankenwanderungen in die Vergangenheit auch bei Isolde Schäfer: Sie gehört mit ihren 84 Jahren zu den Ältesten im Dorf, ist die Einzige, die von Geburt an nahezu ihr ganzes Leben in Brünnighausen verbracht und zu jedem Verein ihre ganz besondere Erinnerung hat. Der furchtbare Scheunenbrand in den Sommerferien damals, nach dem Blitzeinschlag in der Gewitternacht, als sie etwa 12 Jahre alt war und alles lichterloh brannte, die Tiere brüllten und irgendein Bewohner nur in Unterhose und mit Trompete durch die Straßen lief und schrie: „Es brennt, es brennt…“ – weil’s ja noch keine Sirene gab.
Acht Jahre war Isolde Schäfer alt, als der 1936 gegründete Musikzug zum allerersten Mal am 1. Mai morgens früh um sechs Uhr die Brünnighäuser lautstark aus den Betten blies. Und mit dem Gesangverein hätten sowieso, soweit sie sich erinnern könne, alle Männer und deshalb auch alle Familien ohne Ausnahme im Dorf gelebt.
Denn Mitglied, so erinnerte sich Isolde Schäfer, wurde auf „Anordnung“ des Lehrers jeder, der mindestens 15 Jahre alt war – egal ob er singen konnte oder nicht. „Kein Lehrling in der Schlachterei meines Vaters“, erinnert sich Wilhelm Honig (75), „der nicht neben dem Lehrvertrag gleichzeitig die Beitrittserklärung zum MGV unterschreiben musste. Darauf achtete mein Vater sehr.“
„Dementsprechend begeistert wurden hier die Feste über die Jahrzehnte immer gefeiert“, so Isolde Schäfer. „Früher in zwei großen Zelten, heute haben wir die Mehrzweckhalle. Früher hatten wir besonders lange Festumzüge, weil jeder Einwohner Mitglied in irgendeinem der zwölf Vereine im Ort war und mitmarschierte.“ Heute gebe es zur Freizeitgestaltung schon lange nicht mehr nur die Vereine innerhalb der Dörfer. Da tue sich Tradition – insbesondere gesungene – in Zeiten des demografischen Wandels immer schwerer. Und die Festumzüge werden im gleichen Maße kürzer, wie die Anzahl der Wagen mit Sitzgelegenheit für zunehmend ältere Dörfler zunimmt. „Aber unsere Kinder und Großkinder kommen immer noch gerne her – und müde sind wir noch lange nicht“, meint Isolde Schäfer. Es feiert sich auch mit weniger Lametta gut im Dorf.
21.05.2012 06:00 -
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30.05.2012 06:00 -
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02.06.2012 06:00 -
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Restmüll